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Natriumbicarbonat für Läufer*innen: Dosierung, Timing & Selbsttest-Protokoll (Update 2026)

vor 1 Tag
11 Min. Lesezeit



tl;dr: Bicarbonat-Loading in 15 Sekunden

  • Wirkung ist distanzabhängig: Starker Effekt auf der Meile und beim 5 k, guter Effekt auf 10 km, kleiner bis moderater Effekt beim Halbmarathon, wahrscheinlich minimal im Marathon


  • Dosierung: 0,2–0,3 g Natriumbicarbonat pro kg Körpergewicht, aufgeteilt in 3–4 Portionen


  • Timing: Für die Meisten Einnahme 120–180 Minuten vor Belastung, mit sehr großer individueller Streuung – deshalb im Training testen, nicht am Wettkampftag zum ersten Mal


  • Größtes Risiko: Magen-Darm-Beschwerden – laut aktueller Meta-Analyse bei fast 30 % der Anwender*innen


  • Wichtigste Regel: Nie am Wettkampftag zum ersten Mal – erst in unwichtigen Einheiten testen, dann in einer Rennsimulation, erst danach im Wettkampf



Vielleicht bist du über die Suche nach "Bicarb Sport" hier gelandet, vielleicht über "Bicarb Laufen" oder einfach über "Natriumbicarbonat". Ggemeint ist in allen Fällen dasselbe: eine der ältesten "Ergogenic Aids" (dt. "Leistungsverstärker") im Ausdauersport. Die ersten Studien zur Verwendung von Bi-Carb beim Laufen stammen aus den 1930er-Jahren. Trotzdem kursieren bis heute widersprüchliche Empfehlungen: Manche schwören für jeden Tempolauf darauf, andere raten komplett ab.


Dieser Beitrag zeigt dir, was die aktuelle Studienlage tatsächlich hergibt, für welche Einheiten und Renndistanzen sich Bicarbonat lohnt und ein konkretes Protokoll, mit dem du es risikoarm selbst testen kannst.


Was macht Bicarbonat im Körper? (Natrium-Bicarbonat-Wirkung erklärt)


Bei hoher Laufintensität produziert die Muskulatur vermehrt Wasserstoffionen (H⁺), die zur lokalen Übersäuerung (Azidose) beitragen. Genau hier setzt Natrium-Bicarbonat mit seiner Wirkung an: Es erhöht die Pufferkapazität im Blut außerhalb der Zelle. Das heißt, dass nun mehr H⁺-Ionen aus der arbeitenden Muskulatur heraustransportiert werden können. Das verlangsamt die Übersäuerung der Muskulatur.


Wichtig zu verstehen: Bicarbonat entfernt kein Laktat und "verhindert" auch nicht die Ermüdung. Es verschiebt lediglich den Zeitpunkt, an dem die muskuläre Übersäuerung leistungslimitierend wird, etwas nach hinten. Die Belastung selbst wird nicht kleiner – du kannst nur etwas länger unter hoher Intensität laufen.


Läuferin trinkt aus einer Flasche vor einem Vorbereitungslauf bevor sie bicarb testet


Für welche Distanzen lohnt sich Bicarbonat wirklich?


Klären wir als nächstes die Frage, bei welchen Distanzen es sich für Freizeitläufer*innen (und Profis) lohnen kann, Bicarbonat einzusetzen.


Eine der grundlegenden Meta-Analysen zum Zusammenhang zwischen Belastungsdauer und Bicarbonat-Effekt zeigt, dass der Nutzen mit zunehmender Belastungsdauer tendenziell abnimmt – ein wichtiger Grund, warum sich Bicarbonat nicht pauschal auf jede Distanz übertragen lässt.


1500 m / Meile – sehr starker Effekt. Diese Distanz wird sehr schnell und bei sehr intensiver Belastung gelaufen. Rennen dauern meist zwischen 3,5 und 6 Minuten und stellen genau die Art von Belastung dar, bei der ein sehr großer Teil der Energie über den Stoffwechselweg kommt, bei dem Säure als Nebenprodukt entsteht. Genau hier setzt das Bicarbonat an, weshalb der Effekt auf 1500 m/Meile tendenziell sogar noch etwas größer ausfällt als auf 5 km. Wer neben Straßenläufen auch Bahnrennen oder Zeitläufe über die Meile bestreitet, sollte diese Distanz bei den Tests unbedingt mitberücksichtigen.


5 km – starker Effekt. Ein 5-km-Rennen dauert bei Freizeitläufer*innen zwischen 18 und 30 Minuten. In diesem Tempo arbeitet die Muskulatur nicht mehr nur "sauber" mit Sauerstoff, sondern gewinnt einen spürbaren Teil ihrer Energie über einen schnelleren Stoffwechselweg, bei dem Säure als Nebenprodukt entsteht. Diese Säure ist mitverantwortlich dafür, dass die Beine in den letzten Kilometern brennen und die Pace immer schwerer zu halten ist. Weil Bicarbonat genau diese Säure im Blut abpuffert, bevor sie limitierend wird, zeigt sich sein Effekt auf einer Distanz wie 5 km deutlich und Studien liefern hier die konsistentesten Verbesserungen.


10 km – guter Effekt. Wird langsamer/bei niedrigerer Intensität angelaufen, als der 5k. Besonders auf den letzten Kilometern besteht aber immer noch ein relevanter Beitrag der anaeroben Energiebereitstellung (und damit des Ansatzpunkts für das Bi-Carb).


Halbmarathon – kleiner bis moderater Effekt. Die Belastung ist überwiegend aerob, der Nutzen ist real, aber kleiner. Ein Protokoll findest du im Abschnitt weiter unten.


Marathon – wahrscheinlich minimal. Die Frage "Bicarb im Marathon – ja oder nein?" lässt sich mit der aktuellen Studienlage relativ klar mit "eher nein" beantworten. Hier sind Glykogenverfügbarkeit, Thermoregulation und muskuläre Ermüdung durch mechanische Belastung die begrenzenden Komponenten und nicht die Pufferkapazität. Eine aktuelle Meta-Analyse zu Natriumbicarbonat bei prolongierter Laufbelastung fand keinen relevanten Effekt einer Einzeldosis auf länger andauernde Laufbelastung, während der Effekt bei kürzeren, hochintensiven Tests deutlicher ausfiel.


Innerhalb des Trainings: VO₂max-Einheiten (z. B. 5×1 km, 6×1 km, 1200er), 3k–10k-spezifische Intervalle und kurze Bergsprints (60–180 s) sind die Einheiten, bei denen sich ein Test lohnt. Long Runs, Marathon-Pace-Läufe und lockere Dauerläufe profitieren dagegen kaum und dein Bicarbonat wäre an der falschen Stelle "verschwendet".


Was sagt die aktuelle Studienlage konkret?


Eine 2025 veröffentlichte, methodisch strenge Meta-Analyse (nur randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studien, N = 126 Läufer*innen aus 11 Studien) kommt zu einem nuancierten Bild: Im unadjustierten Modell zeigte sich ein kleiner, statistisch signifikanter Vorteil von Bicarbonat auf die Laufleistung, der nach Korrektur für Publikationsbias auf ein vernachlässigbares und nicht mehr signifikantes Niveau sank. Gleichzeitig zeigte sich bei Studien mit ausschließlich männlichen Teilnehmern weiterhin ein kleiner, signifikanter Effekt. Allerdings sind Frauen in der bisherigen Forschung auch stark unterrepräsentiert, was belastbare Aussagen für Athletinnen erschwert.


Die International Society of Sports Nutrition kommt in ihrem aktuellen Positionspapier insgesamt zu einer positiveren Einschätzung und hält Bicarbonat für einen wirksamen Leistungsverstärker bei hochintensiver Belastung, weißt aber gleichzeitig ausdrücklich auf die hohe individuelle Variabilität von Nutzen und Verträglichkeit hin.


Fazit aus der Forschung: Der Effekt ist real, aber kleiner und weniger zuverlässig, als viele Instagram-Posts suggerieren und hängt stark von Distanz, Geschlecht und individueller Verträglichkeit ab. Genau deshalb ist ein persönlicher Selbsttest sinnvoller als pauschal "einfach 20 g Bi-Carb 120 min vor der Belastung einnehmen".


Das Hauptrisiko: Magen-Darm-Beschwerden


Dieser Punkt wird nach meiner Einschätzung in vielen How-to-Posts nicht ausreichend gewürdigt. In derselben Meta-Analyse traten gastrointestinale Symptome unter Bicarbonat deutlich häufiger auf als unter Placebo (29,5 % vs. 2,6 %), und auch Studienabbrüche wegen GI-Beschwerden waren unter Bicarbonat häufiger (8,7 % vs. 1,6 %). Die häufigsten Beschwerden waren Durchfall, unspezifische Magen-Darm-Symptome, Übelkeit/Erbrechen und Bauchschmerzen.


Praktisch bedeutet das: Fast jede*r Dritte verträgt eine klassische Einzeldosis nicht gut. Zwei Strategien senken das Risiko nachweislich:



  • Aufteilen der Dosis über 20–40 Minuten statt einer einzelnen großen Portion



Natriumbicarbonat Dosierung: Wie viel Bicarbonat brauchst du wirklich?


Die in Studien am häufigsten verwendete und wissenschaftlich am besten abgesicherte Natriumbicarbonat-Dosierung liegt bei 0,2–0,3 g Natriumbicarbonat pro kg Körpergewicht.


Körpergewicht

0,2 g/kg

0,25 g/kg

0,3 g/kg

60 kg

12 g

15 g

18 g

68 kg

13,6 g

17 g

20,4 g

75 kg

15 g

18,75 g

22,5 g

80 kg

16 g

20 g

24 g

90 kg

18 g

22,5 g

27 g


Bei Bicarb-Kapseln mit 1 g Bicarbonat pro Kapsel (z. B. MNSTRY Sodium Bicarbonate*) entspricht die Grammzahl direkt der Kapselanzahl. Kapseln sind gegenüber der klassischen, in Wasser aufgelösten Pulverform meist die praktischere Wahl, da sie geschmacksneutral sind und sich leichter portionieren lassen. Wer Bicarb kaufen möchte, findet mittlerweile mehrere spezialisierte Sportnutrition-Anbieter mit fertig dosierten Kapseln.


Für den Einstieg gilt: nicht mit der Maximaldosis starten. Beginne bei 0,2 g/kg und steigere erst nach einem verträglichen ersten Test.


natriumbicarbonat wird mit Küchenwaage zur einnähme vor einem lauftraining dosiert


Timing: Wann solltest du Bicarbonat einnehmen?


"150 Minuten vorher" ist dabei nur ein Richtwert und genau hier liegt die eigentliche Krux von Bicarbonat-Protokollen. Studien zeigen eine enorme individuelle Streuung, wann der Blutbicarbonat-Spiegel nach der Einnahme seinen Höhepunkt erreicht: Je nach Dosis und Person kann das zwischen 30 und 180 Minuten nach Einnahme liegen. Diese Streuung bleibt auch bestehen, wenn man auf Körpergewicht normalisiert. Timing ist also nicht einfach eine Frage der Dosis, sondern der individuellen Physiologie.


Diese Erkenntnis hat praktische Konsequenzen: Eine Studie mit Elite-Läuferinnen zeigte, dass eine individualisierte Timing-Strategie, bei der die Athletinnen zuvor ihren persönlichen Zeitpunkt der maximalen Bicarbonat-Konzentration ermittelt hatten, die Wettkampfleistung gegenüber einem standardisierten Zeitfenster verbesserte.


Für die Praxis heißt das:


  • Der klassische Startpunkt für einen ersten Test ist ein Fenster von 120–180 Minuten vor Belastungsbeginn.


  • Ändere beim Re-Test gegenüber dem ersten Test nur eine Variable auf einmal (entweder Dosis oder Timing), nie beides gleichzeitig. Sonst weißt du hinterher nicht, was den Unterschied gemacht hat.


Timing im Halbmarathon: Zwei Varianten im Vergleich


Für 5 km und 10 km ist die Sache einfach: Einnahme so timen, dass zum Start der Peak erreicht ist, fertig. Die Belastung ist ohnehin auch fast durchgehend intensiv. Beim Halbmarathon lohnt sich ein genauerer Blick, weil die ersten Kilometer meist deutlich entspannter laufen als die letzten. Hier zwei Varianten, die sich in der Praxis anbieten:


Variante A – Classic (Peak zum Start)

Einnahme 120–180 Minuten vor dem Start, genau wie beim 5k/10k-Protokoll. Der Vorteil: gut erprobt, deckt sich mit fast allen Studienprotokollen. Die Pufferwirkung hält nach ihrem Höhepunkt erfahrungsgemäß noch mehrere Stunden an. Bei einer HM-Zielzeit von 75–90 Minuten bist du also auch in den letzten Kilometern noch relevant gepuffert, selbst wenn der eigentliche Peak schon etwas zurückliegt.


Variante B – Einnahme näher am Start

Einnahme bewusst später, z. B. 60–90 statt 150 Minuten vor dem Start, sodass der Wirkungshöhepunkt gezielt in die intensivere zweite Rennhälfte fällt. Du nimmst weiterhin das gesamte Bi-Carb vor dem Start ein, nur eben später.


Warum Variante B interessant sein kann: Du erreichst die maximale Pufferkapazität (der Peak) genau dann, wenn sich auch die Intensität deiner Belastung ihrem Höhepunkt nähert.


Worauf du aber achten solltest: Weniger Zeit vor dem Start bedeutet weniger Zeit für den Magen, sich zu beruhigen, wodurch das Risiko für Magen-Darm-Beschwerden gegenüber dem 150-Minuten-Fenster steigt. Außerdem lohnt sich Variante B nur, wenn du dein persönliches Zeitfenster bis zum Wirkungspeak bereits aus vorherigen Tests kennst.


Und: Eine kontrollierte Studie, die Strategie B direkt mit Variante A vergleicht, gibt es bislang nicht. Variante B ist eine plausible Hypothese, abgeleitet aus den Daten, kein belegter Wirksamkeitsvorteil.


Meine praktische Empfehlung für den Halbmarathon: Teste zuerst Variante A, wie beim 5k/10k-Protokoll. Erst wenn du weißt, dass du es grundsätzlich gut verträgst und ungefähr die Dauer bis zu deinem persönlichen Wirkungspeak kennst, lohnt sich ein zweiter Test mit Variante B in einer Trainingssimulation (und nie zum ersten Mal am Wettkampftag).


Dein Selbsttest-Protokoll für Bicarbonat


Das folgende Protokoll ist bewusst konservativ aufgebaut: Ziel des ersten Tests ist Verträglichkeit, nicht maximale Leistung. Und nochmal: Bitte niemals erstmals am Wettkampftag durchführen.


Phase 1: Verträglichkeitstest (unwichtige VO₂max-/10k-Einheit)


  • Dosis: 0,2 g/kg Körpergewicht

  • Timing: 150 Minuten vor Start

  • Aufteilung: 4 Portionen im Abstand von 10 Minuten (z. B. bei 14 g: 4-4-3-3 Kapseln), jeweils mit etwas Wasser

  • Dazu essen: kleinen, ballaststoffarmen, kohlenhydratreichen Snack (Banane, Toast mit Ahornsirup, Apfelmus); keine Hülsenfrüchte, kein Vollkorn, kein hoher Fettanteil

  • Beobachten: Blähungen, Magengefühl, Aufstoßen, Stuhldrang, subjektives Gefühl in den letzten Wiederholungen


Phase 2: Dosissteigerung (nächste vergleichbare Einheit, gleiches Timing)


  • Dosis: 0,25–0,27 g/kg

  • Timing: identisch zu Phase 1 (nicht gleichzeitig an zwei Stellschrauben drehen)

  • Ziel: Race Simulation, also möglichst nah an den geplanten Wettkampfbedingungen (Tageszeit, Ernährung, ggf. Koffein-Verzicht)


Phase 3: Wettkampf (nur wenn Phase 1 und 2 gut verträglich waren)


Dosis: 0,27–0,30 g/kg

Timing: das in Phasen 1+2 etablierte Fenster

Kein Experimentieren mehr – exakt das Protokoll wiederholen, das zweimal funktioniert hat


Wichtiger Hinweis: Wenn bereits Phase 1 zu spürbaren GI-Beschwerden führt, ist das ein valides Ergebnis, kein "Versagen". Angesichts einer GI-Beschwerdenrate von fast 30 % gehört ein signifikanter Teil der Läufer*innen zu den Nicht-Respondern in Sachen Verträglichkeit. Dann ist Bicarbonat für dich vermutlich nicht die richtige Strategie, was auch völlig in Ordnung ist.


Läufer auf der bahn zwecks Selbsttest Dosis und Verträglichkeit von bicarb


Fallbeispiel: Zwei Tests im Selbstversuch


Um das Protokoll greifbarer zu machen, hier ein Beispiel-Test von zwei Athleten, die sich im im Halbmarathon, bzw. 5k/10k-Training befanden:


Test 1 (6×1 km @10k-Pace, 14 g bei 68 kg, T-150 min, 4×-Aufteilung, 26 °C und Sonne): Splits blieben über alle sechs Wiederholungen extrem stabil (3:36–3:44/km) ohne die typische Ermüdungskurve gegen Ende, keine relevanten GI-Symptome, lediglich erhöhter Durst am Rest des Tages.


Test 2 (4×1 km @10k-Pace, 18 g, gleiches Timing, 30 °C): Subjektiv als "anstrengend, aber besser auszuhalten" wahrgenommen und die Splits blieben wieder konstant bei 3:43–3:46/km, ohne GI-Beschwerden.


Beide Tests waren "sauber": stabile Leistung, keine relevanten Nebenwirkungen. Auf dieser Basis wurde die Dosis von 18 g für den Wettkampftag festgelegt. (Nicht mehr höher, weil der Athlet mit keinem zusätzlichen Test eine höhere Dosis abgesichert hat.)


Wettkampf (5600 m @3:34/km, 18 g, gleiches Timing, 30 °C): Die Beobachtungen aus dem Training wiederholten sich, wahrgenommene Anstrengung und Herzfrequenz blieben bis km 5 stabil unten.


Parallel dazu hat Athlet 2 (80 kg, Fokus 12×200 m statt 1-km-Intervalle) sein eigenes, etwas höher dosiertes Protokoll getestet:


Test 1 (12×200 m, 16 g bei 80 kg, T-150 min, 4×-Aufteilung, 26 °C und Sonne): Keine relevanten GI-Beschwerden, subjektiv spürbar weniger "schwere Beine" in den letzten Wiederholungen (9–12) als in vergleichbaren Einheiten ohne Bicarbonat.


Test 2 (12×200 m, 20 g, gleiches Timing, 30 °C, Hitzewelle): Ebenfalls ohne Nebenwirkungen, gleiches positives Muster im Schlussdrittel der Wiederholungen, trotz deutlich höherer Dosis und größerer Hitze als bei Test 1.


Auch hier: zwei "saubere" Tests in Folge, unabhängig vom ersten Athleten. Genau dieses Muster (Verträglichkeit zuerst nachweisen, dann erst die Dosis in kleinen Schritten steigern) ist der Kern eines guten Selbsttests, unabhängig von Körpergewicht oder Zieldistanz.


Häufige Fragen zu Bicarbonat-Loading


Baut Bicarbonat Laktat ab?

Nein. Bicarbonat erhöht die extrazelluläre Pufferkapazität für Wasserstoffionen, es entfernt kein Laktat aus der Muskulatur. Laktat selbst ist zudem kein "Abfallprodukt", sondern ein Energiesubstrat. Die tatsächliche Leistungslimitierung hängt mit der begleitenden Azidose zusammen, nicht mit dem Laktat an sich.


Wie lange hält die Wirkung an?

Der Blutbicarbonat-Spiegel steigt typischerweise über 1–3 Stunden an, mit einem Plateau, das je nach Person mehrere Stunden anhalten kann, bevor er langsam wieder abfällt. Ein wirksames Fenster von etwa 2–5 Stunden nach Einnahme ist plausibel, exakte Minutenangaben sind wegen der individuellen Streuung allerdings wenig aussagekräftig.


Ist Bicarbonat für Frauen genauso wirksam wie für Männer?

Die Datenlage ist hier dünner. Eine Meta-Analyse fand für Frauen einen kleinen positiven Effekt (vergleichbar mit dem unadjustierten Gesamteffekt), spezifische Studien zu Laufleistung bei Frauen sind aber deutlich unterrepräsentiert, weshalb individuelles Testen für dich als Athletin besonders wichtig ist.


Sollte ich Bicarbonat bei jedem harten Training einsetzen?

Nein. Training ist auch Adaptationsreiz. Und wenn jede intensive Einheit durch ein Hilfsmittel etwas erträglicher wird, kann das theoretisch einen Teil des gewünschten Trainingsstimulus abschwächen. Sinnvoller ist der gezielte Einsatz bei Benchmark-Einheiten, Tune-up-Rennen und dem Hauptwettkampf.


Kann ich Bicarbonat mit Koffein kombinieren?

Für den ersten Test würde ich das nicht tun, um die Effekte sauber zuordnen zu können. Später, wenn Verträglichkeit und Wirkung von Bicarbonat etabliert sind, ist eine Kombination in der Literatur nicht widerlegt. Aber auch hier gilt: erst getrennt im Training testen.


Was macht Bicarbonat eigentlich (Kurzfassung)?

Bicarbonat erhöht die Pufferkapazität im Blut, wodurch mehr Wasserstoffionen aus der arbeitenden Muskulatur abtransportiert werden können. Die muskuläre Übersäuerung setzt dadurch etwas später ein. Das Rennen oder die Einheit werden dadurch zwar nicht leichter, du kannst aber etwas länger auf hohem Intensitätsniveau bleiben, bevor die Übersäuerung limitiert.


Reicht normales Natron aus dem Discounter, oder brauche ich ein Sport-Produkt?

Chemisch ist Natron (Natriumbicarbonat, NaHCO₃) aus dem Supermarkt oder der Drogerie identisch mit dem Wirkstoff in teuren Sport-Kapseln. Auch die meisten der oben zitierten Studien haben schlicht Natriumbicarbonatpulver in Wasser aufgelöst und keine Spezialprodukte verwendet. Klassisches Natron (z. B. "Kaiser Natron" oder Bullrich-Salz aus Drogerie/Apotheke) wirkt also grundsätzlich genauso, sofern die Dosis stimmt.


Der Unterschied liegt in der Praxis, nicht in der Wirkung:

  • Dosierung: Du musst selbst mit einer Küchenwaage abwiegen und in Wasser auflösen, statt fertig dosierte Kapseln zu schlucken. Das ist etwas fehleranfälliger, aber machbar.

  • Geschmack: In Wasser gelöstes Natron schmeckt salzig-seifig, was viele als deutlich unangenehmer empfinden als geschmacksneutrale Kapseln.

  • Verträglichkeit: Manche neuere, spezialisierte Formulierungen werben mit reduzierten GI-Beschwerden gegenüber klassischem Pulver. Die Studienlage dazu ist bislang aber dünn und nicht eindeutig überlegen.


Für den Einstieg spricht nichts gegen klassisches Discounter-Natron. Achte auf lebensmittelechte Qualität (steht auf der Verpackung bitte kein Reineigungsmittel verwenden) und wiege exakt ab. Wenn Verträglichkeit und Timing für dich passen, kannst du später immer noch auf Kapseln umsteigen, falls dir Handling oder Geschmack wichtiger werden.


MNSTRY Bicarb Dosierung – wie viele Kapseln genau?

Bei MNSTRY-Kapseln* mit 1 g Natriumbicarbonat pro Kapsel entspricht deine Ziel-Dosis in Gramm exakt der Kapselanzahl: Bei 0,2 g/kg und 70 kg Körpergewicht sind das 14 Kapseln, bei 0,3 g/kg entsprechend 21 Kapseln. Nutze die Tabelle im Dosierungs-Abschnitt oben für dein eigenes Körpergewicht und teile die Gesamtmenge wie beschrieben auf 3–4 Portionen auf.


Dein nächster Schritt


Bicarbonat ist kein Wundermittel, aber ein evidenzbasiertes Werkzeug für 1500 m, 5-km- bis 10-km-Rennen (evtl. den Halbmarathon) und für passende VO₂max-Einheiten im Training. Dabei kann Bicarb, richtig eingesetzt, einige wenige Prozent aus engagierten Athlet*innen herauskitzeln.


Voraussetzung ist aber immer ein gut strukturiertes Trainingsprogramm. Und dass du Dosis, Timing und Verträglichkeit gezielt und weit genug vor dem Wettkampf testest. Wer diese Vorarbeit überspringt, riskiert am Renntag genau das Gegenteil des gewünschten Effekts: nämlich einen Magen, der statt der Beine das Rennen bestimmt.


Zwei Bausteine, die für ein rundes Race-Day-Protokoll ebenfalls entscheidend sind, findest du hier: die Kohlenhydratstrategie und die dazu passende Hydrationsstrategie.


Wenn du deine individuelle Renn-Ernährungsstrategie inklusive Bicarbonat-Frage gemeinsam durchgehen willst, buch dir gerne eine kostenlose 30-minütige Coaching-Session -> hier buchen.




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